{"id":2836,"date":"2026-09-02T14:20:07","date_gmt":"2026-09-02T14:20:07","guid":{"rendered":"https:\/\/enevkit.de\/?p=2836"},"modified":"2026-09-02T14:26:18","modified_gmt":"2026-09-02T14:26:18","slug":"waermeverlust-aufzugsschacht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/enevkit.de\/en\/waermeverlust-aufzugsschacht\/","title":{"rendered":"W\u00e4rmeverlust durch den Aufzugsschacht: wie viel Heizenergie tats\u00e4chlich verloren geht"},"content":{"rendered":"<blockquote>\n<p dir=\"ltr\"><strong>Das Wichtigste in K\u00fcrze<\/strong><\/p>\n<ul dir=\"ltr\">\n<li>Der Verlust entsteht durch den Schornsteineffekt \u00fcber die dauerhaft offene \u00d6ffnung am Schachtkopf \u2013 angetrieben von Schachth\u00f6he, \u00d6ffnungsquerschnitt und Temperaturdifferenz.<\/li>\n<li>Eine reale Messung an einem Hamburger Klinikum ergab an einem 25-m-Schacht einen mittleren Volumenstrom von 2.968 m\u00b3\/h und eine Verlustleistung von 9,77 kW.<\/li>\n<li>Hochgerechnet sind das \u00fcber 85.000 kWh und mehr als 17 t CO\u2082 pro Jahr \u2013 aus einem einzigen Schacht.<\/li>\n<li>\u00dcber die Praxis hinweg liegen die m\u00f6glichen Einsparungen bei 3 bis 30 t CO\u2082 und 900 bis 9.000 EUR pro Aufzugsschacht und Jahr.<\/li>\n<\/ul>\n<\/blockquote>\n<p dir=\"ltr\">\u201e\u00dcber den Aufzugsschacht geht W\u00e4rme verloren&#8220; \u2013 das l\u00e4sst sich leicht behaupten. Interessant wird es erst, wenn man Zahlen dahinterlegt. Dieser Beitrag macht genau das: Er zeigt anhand einer realen Messung, wie viel Heizenergie ein Aufzugsschacht tats\u00e4chlich verliert, welche Faktoren die H\u00f6he des Verlusts bestimmen und wie sich aus einem Momentanwert eine belastbare Jahreszahl ergibt.<\/p>\n<h2 dir=\"ltr\">Was den Verlust antreibt<\/h2>\n<p dir=\"ltr\">Der Mechanismus ist schnell erkl\u00e4rt. Am Schachtkopf sitzt eine vorgeschriebene, dauerhaft offene \u00d6ffnung zur Rauchableitung. Weil warme Luft leichter ist als kalte, entsteht im hohen, senkrechten Schacht ein Auftrieb \u2013 der <strong>Schornsteineffekt<\/strong>. Warme Raumluft str\u00f6mt nach oben und entweicht, kalte Luft str\u00f6mt unten nach. Ausf\u00fchrlich beschrieben ist das im Beitrag zur <a href=\"\/en\/permanentoeffnung-aufzugsschacht-pflicht-energieverlust\/\">Permanent\u00f6ffnung im Aufzugsschacht<\/a>.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">Wie stark dieser Effekt ausf\u00e4llt, h\u00e4ngt an vier Gr\u00f6\u00dfen:<\/p>\n<ul dir=\"ltr\">\n<li><strong>Shaft Height<\/strong> \u2013 je h\u00f6her der Schacht, desto gr\u00f6\u00dfer die Auftriebswirkung. Der st\u00e4rkste Hebel.<\/li>\n<li><strong>Freier Querschnitt der \u00d6ffnung<\/strong> \u2013 vorgeschrieben sind mindestens 2,5 % der Fahrschachtgrundfl\u00e4che, mindestens jedoch 0,10 m\u00b2.<\/li>\n<li><strong>Temperaturdifferenz<\/strong> zwischen Geb\u00e4udeinnerem und Au\u00dfenluft \u2013 je k\u00e4lter drau\u00dfen, desto st\u00e4rker der Sog.<\/li>\n<li><strong>Geb\u00e4udesituation<\/strong> \u2013 Anzahl der Haltestellen, Dichtheit der Schachtt\u00fcren, Anzahl der Aufzugsanlagen.<\/li>\n<\/ul>\n<p dir=\"ltr\">Aus diesen Gr\u00f6\u00dfen ergibt sich ein Luftvolumenstrom, der den Schacht dauerhaft verl\u00e4sst. Und jeder Kubikmeter warme Luft, der nach drau\u00dfen geht, muss von der Heizung ersetzt werden.<\/p>\n<h2 dir=\"ltr\">Eine reale Messung: die Zahlen im Detail<\/h2>\n<p dir=\"ltr\">Statt zu sch\u00e4tzen, hilft ein Blick auf eine tats\u00e4chlich durchgef\u00fchrte Messung. An einem Klinikum in Hamburg wurde der Verlust an einem einzelnen Aufzugsschacht messtechnisch erfasst:<\/p>\n<div dir=\"ltr\">\n<table>\n<thead>\n<tr>\n<th scope=\"col\">Parameter<\/th>\n<th scope=\"col\">Messwert<\/th>\n<\/tr>\n<\/thead>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Shaft Height<\/td>\n<td>25 m<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Anlage<\/td>\n<td>Einzelanlage, Bettenaufzug<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Haltestellen<\/td>\n<td>8<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Volumenstrom (\u00d8)<\/td>\n<td>2.968 m\u00b3\/h<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Verlustleistung (\u00d8)<\/td>\n<td>9,77 kW<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Innentemperatur (\u00d8)<\/td>\n<td>21,82 \u00b0C<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Au\u00dfentemperatur (\u00d8)<\/td>\n<td>12,04 \u00b0C<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Messzeitraum<\/td>\n<td>24.\u201325.03.2022<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<\/div>\n<p dir=\"ltr\">Bemerkenswert ist der Kontext dieser Werte: Die Messung fand bei einer mittleren Au\u00dfentemperatur von rund 12 \u00b0C statt \u2013 also bei einer Temperaturdifferenz von etwa 10 Kelvin. In der kalten Jahreszeit, wenn die Differenz deutlich gr\u00f6\u00dfer ist, f\u00e4llt der Sog und damit der Verlust entsprechend h\u00f6her aus. Die gemessenen 9,77 kW sind also kein Extremwert, sondern ein Wert aus milden Bedingungen.<\/p>\n<h2 dir=\"ltr\">Von der Verlustleistung zur Jahreszahl<\/h2>\n<p dir=\"ltr\">Aus der gemessenen Verlustleistung l\u00e4sst sich die Jahresenergie unmittelbar ableiten. Eine dauerhaft offene \u00d6ffnung kennt keine Betriebspause \u2013 der Effekt l\u00e4uft rund um die Uhr:<\/p>\n<p dir=\"ltr\"><strong>9,77 kW \u00d7 8.760 Stunden \u2248 85.600 kWh pro Jahr<\/strong><\/p>\n<p dir=\"ltr\">Damit ergibt sich f\u00fcr diesen einen Schacht eine Jahresverlustenergie von <strong>\u00fcber 85.000 kWh<\/strong> und ein CO\u2082-Aussto\u00df von <strong>mehr als 17 Tonnen<\/strong>. Stellt man beide Werte gegen\u00fcber, entspricht das rechnerisch rund 0,2 kg CO\u2082 je Kilowattstunde \u2013 ein f\u00fcr Erdgas typischer Gr\u00f6\u00dfenwert. Die Zahlen sind also in sich schl\u00fcssig und keine gegriffene Marketingangabe.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">Zur Einordnung: 85.000 kWh Heizenergie entsprechen ungef\u00e4hr dem Jahresbedarf mehrerer Einfamilienh\u00e4user \u2013 verursacht durch eine \u00d6ffnung, die in der Energiebilanz des Geb\u00e4udes \u00fcblicherweise gar nicht auftaucht.<\/p>\n<h2 dir=\"ltr\">Was das f\u00fcr andere Geb\u00e4ude bedeutet<\/h2>\n<p dir=\"ltr\">Die Hamburger Werte gelten f\u00fcr einen konkreten Schacht und lassen sich nicht eins zu eins \u00fcbertragen. Sie zeigen aber die Gr\u00f6\u00dfenordnung \u2013 und die Richtung: Da die Schachth\u00f6he der st\u00e4rkste Treiber ist, steigt der Verlust in Hochh\u00e4usern deutlich an, w\u00e4hrend er bei niedrigen Sch\u00e4chten geringer ausf\u00e4llt, aber eben dauerhaft anf\u00e4llt.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">\u00dcber die Praxis hinweg liegen die m\u00f6glichen Einsparungen bei <strong>3 bis 30 t CO\u2082<\/strong> und <strong>900 bis 9.000 EUR<\/strong> Betriebskosten pro Aufzugsschacht und Jahr. In einem dokumentierten Beispielfall mit 120 m Schachth\u00f6he, 30 Haltestellen und drei Aufzugsanlagen waren bis zu 111 t CO\u2082 und bis zu 49.000 EUR Heizkosten-Einsparung m\u00f6glich. Konkrete Referenzobjekte best\u00e4tigen die Spanne: Im Gesundheitszentrum Medicum am KBO waren 72.539 kWh und 14,58 t CO\u2082 pro Jahr m\u00f6glich, im Laborgeb\u00e4ude der Merck KGaA 50.000 bis 80.000 kWh, im St. Franziskus Hospital M\u00fcnster 30.000 bis 80.000 kWh.<\/p>\n<h2 dir=\"ltr\">Wie Sie den Verlust in Ihrem Geb\u00e4ude ermitteln<\/h2>\n<p dir=\"ltr\">F\u00fcr eine belastbare Aussage braucht es die Daten Ihres Objekts: Schachth\u00f6he, Grundfl\u00e4che und Querschnitt der \u00d6ffnung, Anzahl der Haltestellen und Aufzugsanlagen sowie die typische Innentemperatur. Auf dieser Basis l\u00e4sst sich der zu erwartende Volumenstrom und daraus die Verlustleistung absch\u00e4tzen \u2013 und daraus wiederum Jahresenergie, CO\u2082 und Kosten.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">Genau diesen Weg deckt der <strong>Calculate your savings<\/strong> ab. Alternativ nehmen wir Ihren Schacht im Rahmen einer <strong>Bestandsanalyse<\/strong> auf und rechnen ihn konkret durch.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">Ist der Verlust beziffert, ist der zweite Schritt naheliegend: Er l\u00e4sst sich beenden, ohne den Brandschutz anzutasten. Ein motorisch bet\u00e4tigtes <a href=\"\/en\/nrwg-aufzugsschacht-funktion-pflicht\/\">NRWG<\/a> h\u00e4lt die \u00d6ffnung im Normalbetrieb geschlossen und gibt sie im Brand- oder L\u00fcftungsfall frei. Welche M\u00f6glichkeiten es daf\u00fcr gibt und wie das System arbeitet, fasst der Beitrag <a href=\"\/en\/energie-sparen-aufzugsschacht\/\">Energie sparen im Aufzugsschacht<\/a> zusammen. Je nach Variante sind mit <a href=\"\/en\/\">enev-kit<\/a> bis zu 35.000 kWh und 8 t CO\u2082 (e1, bis 24 m) bzw. bis zu 150.000 kWh und 38 t CO\u2082 (e5, bis 110 m) pro Jahr m\u00f6glich.<\/p>\n<h2 dir=\"ltr\">H\u00e4ufige Fragen zum W\u00e4rmeverlust im Aufzugsschacht<\/h2>\n<h3 dir=\"ltr\"><strong>Wie viel Heizenergie verliert ein Aufzugsschacht pro Jahr?<\/strong><\/h3>\n<p dir=\"ltr\">Das h\u00e4ngt vor allem von der Schachth\u00f6he, dem \u00d6ffnungsquerschnitt und der Temperaturdifferenz ab. Eine Messung an einem Hamburger Klinikum ergab an einem 25-m-Schacht eine Verlustleistung von 9,77 kW, hochgerechnet \u00fcber 85.000 kWh und mehr als 17 t CO\u2082 pro Jahr. Typische Einsparpotenziale liegen bei 3 bis 30 t CO\u2082 und 900 bis 9.000 EUR pro Schacht und Jahr.<\/p>\n<h3 dir=\"ltr\"><strong>Wie wird aus der Verlustleistung eine Jahreszahl?<\/strong><\/h3>\n<p dir=\"ltr\">Da die \u00d6ffnung dauerhaft offen ist, l\u00e4uft der Verlust rund um die Uhr. Die gemessene Verlustleistung wird deshalb mit den Jahresstunden multipliziert: 9,77 kW \u00d7 8.760 h ergibt rund 85.600 kWh pro Jahr.<\/p>\n<h3 dir=\"ltr\"><strong>Welcher Faktor beeinflusst den Verlust am st\u00e4rksten?<\/strong><\/h3>\n<p dir=\"ltr\">Die Schachth\u00f6he. Sie bestimmt die St\u00e4rke des thermischen Auftriebs und damit den Volumenstrom. Deshalb f\u00e4llt der Verlust in Hochh\u00e4usern erheblich h\u00f6her aus als in niedrigen Geb\u00e4uden.<\/p>\n<h3 dir=\"ltr\"><strong>Ist der Verlust im Winter h\u00f6her?<\/strong><\/h3>\n<p dir=\"ltr\">Ja. Der Auftrieb w\u00e4chst mit der Temperaturdifferenz zwischen innen und au\u00dfen. Die Hamburger Messung erfolgte bei rund 12 \u00b0C Au\u00dfentemperatur \u2013 in der kalten Jahreszeit liegt der Verlust entsprechend h\u00f6her.<\/p>\n<h3 dir=\"ltr\"><strong>Wie kann ich den Verlust in meinem Geb\u00e4ude beziffern?<\/strong><\/h3>\n<p dir=\"ltr\">\u00dcber die Objektdaten: Schachth\u00f6he, Grundfl\u00e4che und \u00d6ffnungsquerschnitt, Haltestellen, Anzahl der Anlagen und Innentemperatur. Mit dem Amortisationsrechner oder einer Bestandsanalyse l\u00e4sst sich daraus die zu erwartende Einsparung an Energie, CO\u2082 und Kosten ermitteln.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Wichtigste in K\u00fcrze Der Verlust entsteht durch den Schornsteineffekt \u00fcber die dauerhaft offene \u00d6ffnung am Schachtkopf \u2013 angetrieben von Schachth\u00f6he, \u00d6ffnungsquerschnitt und Temperaturdifferenz. Eine reale Messung an einem Hamburger Klinikum ergab an einem 25-m-Schacht einen mittleren Volumenstrom von 2.968 m\u00b3\/h und eine Verlustleistung von 9,77 kW. 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