Das Wichtigste in Kürze
- Der Aufzugsschacht ist eines der letzten großen, unbeachteten Wärmelecks im Gebäude – verursacht durch die vorgeschriebene, dauerhaft offene Öffnung am Schachtkopf.
- Eine Messung an einem Hamburger Klinikum ergab an einem einzigen 25-m-Schacht über 85.000 kWh Verlustenergie und mehr als 17 t CO₂ pro Jahr, bei einer durchschnittlichen Verlustleistung von 9,77 kW.
- Typisch sind Einsparungen von 3 bis 30 t CO₂ und 900 bis 9.000 EUR Betriebskosten pro Aufzugsschacht und Jahr – abhängig vor allem von der Schachthöhe.
- Der Verlust lässt sich stoppen, ohne den Brandschutz anzutasten: Ein motorisches NRWG hält die Öffnung im Normalbetrieb geschlossen. Nachrüstung in 3 bis 8 Stunden pro Schacht.
Wer ein Gebäude energetisch verbessern will, denkt an Dämmung, Fenster und Heizungstechnik. Der Aufzugsschacht steht auf kaum einer Liste – obwohl er in vielen Gebäuden das größte verbliebene Leck in der Hülle ist. Der Grund: Sein Verlust ist unsichtbar, taucht in keiner Abrechnung als eigener Posten auf und gilt als unvermeidbar, weil er dem Brandschutz geschuldet ist. Dieser Beitrag zeigt, warum das nicht stimmt, wie groß der Verlust tatsächlich ist und mit welchen Schritten Sie ihn beenden.
Warum der Aufzugsschacht Energie verliert
Jeder Aufzugsschacht muss am Schachtkopf eine Öffnung zur Rauchableitung besitzen – vorgeschrieben, damit im Brandfall Rauch und Hitze entweichen können. Klassisch steht diese Permanentöffnung dauerhaft offen.
Damit wird der Schacht zu einem senkrechten Kanal, der oben offen ist. In einem beheizten Gebäude entsteht so der Schornsteineffekt: Warme Luft aus Treppenhaus und Fluren steigt über die gesamte Schachthöhe nach oben und entweicht ins Freie, kalte Luft strömt unten nach. Der Antrieb dafür ist der Temperaturunterschied zwischen innen und außen – je kälter es draußen ist und je höher der Schacht, desto stärker der Sog.
Entscheidend ist: Dieser Vorgang läuft ununterbrochen. Nicht nur im Brandfall, für den die Öffnung gedacht ist, sondern jeden Tag, jede Nacht, das ganze Jahr.
Wie groß der Verlust tatsächlich ist
Genau hier wird es interessant, denn die Größenordnung überrascht die meisten Betreiber. An einem Klinikum in Hamburg wurde der Effekt messtechnisch erfasst: An einem 25 m hohen Schacht mit einem Bettenaufzug und acht Haltestellen strömten im Mittel rund 2.968 m³/h Luft durch die Permanentöffnung ab. Daraus ergab sich eine durchschnittliche Verlustleistung von 9,77 kW – und hochgerechnet auf das Jahr eine Verlustenergie von über 85.000 kWh sowie ein CO₂-Ausstoß von mehr als 17 Tonnen.
Zur Einordnung: 85.000 kWh entsprechen etwa dem Heizwärmebedarf mehrerer Einfamilienhäuser – verursacht durch ein einziges Loch, an das niemand denkt.
Wie hoch der Verlust im Einzelfall ausfällt, hängt vor allem von vier Faktoren ab:
- Shaft Height – der stärkste Hebel, weil sie den Auftrieb bestimmt,
- Größe der Öffnung (mindestens 2,5 % der Fahrschachtgrundfläche, mindestens 0,10 m²),
- Temperaturdifferenz zwischen Gebäude und Außenluft,
- Anzahl der Aufzugsanlagen im Objekt.
Über die Praxis hinweg liegen die möglichen Einsparungen deshalb in einer Spanne: 3 bis 30 t CO₂ und 900 bis 9.000 EUR Betriebskosten pro Aufzugsschacht und Jahr. In einem dokumentierten Beispielfall mit 120 m Schachthöhe, 30 Haltestellen und drei Aufzugsanlagen waren sogar bis zu 111 t CO₂ und bis zu 49.000 EUR Heizkosten-Einsparung möglich.
Der vermeintliche Zielkonflikt – und warum er keiner ist
Der häufigste Einwand lautet: Die Öffnung ist Pflicht, also ist der Verlust hinzunehmen. Das war lange die gängige Lesart – sie trifft aber nicht zu.
Denn die Bauordnung schreibt keine dauerhaft offene Öffnung vor. Sie verlangt eine funktionierende Rauchableitung und erlaubt dafür ausdrücklich verschließbare Abschlüsse, sofern diese im Brandfall selbsttätig und zusätzlich manuell geöffnet werden können. Mehr noch: § 39 der Musterbauordnung wurde inzwischen angepasst, damit an diesen Öffnungen auch die Luftdichtigkeit im Sinne des GEG erfüllt werden kann. Brandschutz und Energieeffizienz sind also ausdrücklich vereinbar – Details im Überblick der Vorschriften zur Aufzug-Entrauchung.
Praktisch umgesetzt wird das über ein motorisch betätigtes NRWG nach DIN EN 12101-2: geschlossen im Normalbetrieb, offen im Brand- oder Lüftungsfall.
Wie das Energiesparen im Schacht funktioniert
Das System enev-kit ersetzt die offene Öffnung durch ein gesteuertes NRWG. Die Control-Einheit wertet laufend CO₂, Temperatur und Luftfeuchtigkeit aus und öffnet automatisch, wenn der CO₂-Wert 1.500 ppm überschreitet, die Temperatur über 35 °C steigt, eine definierte Luftfeuchtigkeit erreicht wird oder eine programmierte Stoßlüftung ansteht. Im Brandfall öffnet das NRWG über einen fail-safe-Federrücklauf – auch bei Stromausfall.
Der energetische Effekt entsteht in den vielen Stunden dazwischen, in denen weder gelüftet noch entraucht werden muss: Dann ist der Schacht dicht (Dichtheitsklasse nach EN 1751 Klasse 2), und der Schornsteineffekt kommt zum Erliegen. Wie sich Lüftungs- und Sicherheitsfunktion dabei unterscheiden, erklärt der Beitrag Be- und Entlüftung vs. Entrauchung.
Wie viel dabei herauskommt, hängt von der Variante ab: Mit enev-kit e1 (bis 24 m Schachthöhe) sind bis zu 35.000 kWh und 8 t CO₂ pro Jahr möglich, mit enev-kit e5 (bis 110 m) bis zu 150.000 kWh und 38 t CO₂. Welche Variante passt, zeigt der Vergleich enev-kit e1 vs. e5.
Was das in der Praxis bedeutet
Für Eigentümer und WEG ist der Effekt unmittelbar spürbar. Der Dauerzug nach oben endet, das Treppenhaus wird wärmer, Zugluft und Strömungsgeräusche an den Schachttüren verschwinden. Die eingesparte Heizenergie senkt die Nebenkosten – und weil die Maßnahme an einem einzelnen Bauteil ansetzt, entfallen Baustelle und Belastung der Bewohner.
Für Betreiber und Verwalter kommt die wirtschaftliche Seite dazu. Die Investition amortisiert sich über die eingesparte Heizenergie, während gleichzeitig die CO₂-Bilanz des Objekts sinkt – ein Beitrag zu ESG-Kennzahlen und zur CO₂-Reduktion im Bestand. Verglichen mit einer Fassadendämmung ist der Aufwand gering: Geliefert wird ein steckbares Komplettbaukit, die Installation dauert je nach Schacht 3 bis 8 Stunden und ist in der Regel innerhalb eines Tages abgeschlossen – im Neubau wie im Bestand.
Referenzobjekte zeigen die Größenordnung: Im Gesundheitszentrum Medicum am KBO waren möglich 72.539 kWh und 14,58 t CO₂ pro Jahr; weitere Referenzen sind das St. Franziskus Hospital Münster und das Laborgebäude der Merck KGaA.
Wie groß der Hebel in Ihrem Objekt ist, hängt von Schachthöhe, Haltestellen und Anlagenzahl ab. Ermitteln Sie Ihr individuelles Einsparpotenzial mit dem Calculate your savings oder fordern Sie eine unverbindliche Beratung an – wir rechnen Ihren Schacht konkret durch.
Häufige Fragen zum Energieverlust im Aufzugsschacht
Warum verliert ein Aufzugsschacht Energie?
Am Schachtkopf befindet sich eine vorgeschriebene Öffnung zur Rauchableitung, die klassisch dauerhaft offensteht. Durch den Schornsteineffekt steigt warme Luft im Schacht nach oben und entweicht ins Freie, kalte Luft strömt nach. Das läuft ununterbrochen, solange geheizt wird.
Wie viel Energie geht über den Aufzugsschacht verloren?
Das hängt vor allem von der Schachthöhe, der Öffnungsgröße und der Temperaturdifferenz ab. Eine Messung an einem Hamburger Klinikum ergab an einem 25-m-Schacht über 85.000 kWh und mehr als 17 t CO₂ pro Jahr. Typisch sind Einsparpotenziale von 3 bis 30 t CO₂ und 900 bis 9.000 EUR pro Schacht und Jahr.
Darf man die Öffnung überhaupt schließen?
Ja – in Form eines verschließbaren Abschlusses. Die Bauordnung erlaubt Abschlüsse, sofern sie im Brandfall selbsttätig und zusätzlich manuell geöffnet werden können. Ein motorisches NRWG nach DIN EN 12101-2 erfüllt diese Vorgabe, hält die Öffnung im Normalbetrieb aber dicht.
Wie schnell rechnet sich die Maßnahme?
Das ergibt sich aus dem individuellen Verlust und den Energiekosten. Da der Aufwand gering ist – Nachrüstung in 3 bis 8 Stunden pro Schacht, ohne Umbau der Gebäudehülle – fällt die Amortisation deutlich günstiger aus als bei klassischen Sanierungsmaßnahmen. Das konkrete Ergebnis lässt sich mit dem Amortisationsrechner ermitteln.
Lohnt sich das auch bei kleineren Gebäuden?
In der Regel ja, wenn ein Aufzug vorhanden ist. Der Verlust skaliert mit der Schachthöhe, entsteht aber auch bei niedrigeren Schächten dauerhaft. Für Gebäude bis 24 m Schachthöhe ist die Basisvariante enev-kit e1 die wirtschaftliche Lösung.