Das Wichtigste in Kürze
- Der Verlust entsteht durch den Schornsteineffekt über die dauerhaft offene Öffnung am Schachtkopf – angetrieben von Schachthöhe, Öffnungsquerschnitt und Temperaturdifferenz.
- Eine reale Messung an einem Hamburger Klinikum ergab an einem 25-m-Schacht einen mittleren Volumenstrom von 2.968 m³/h und eine Verlustleistung von 9,77 kW.
- Hochgerechnet sind das über 85.000 kWh und mehr als 17 t CO₂ pro Jahr – aus einem einzigen Schacht.
- Über die Praxis hinweg liegen die möglichen Einsparungen bei 3 bis 30 t CO₂ und 900 bis 9.000 EUR pro Aufzugsschacht und Jahr.
„Über den Aufzugsschacht geht Wärme verloren“ – das lässt sich leicht behaupten. Interessant wird es erst, wenn man Zahlen dahinterlegt. Dieser Beitrag macht genau das: Er zeigt anhand einer realen Messung, wie viel Heizenergie ein Aufzugsschacht tatsächlich verliert, welche Faktoren die Höhe des Verlusts bestimmen und wie sich aus einem Momentanwert eine belastbare Jahreszahl ergibt.
Was den Verlust antreibt
Der Mechanismus ist schnell erklärt. Am Schachtkopf sitzt eine vorgeschriebene, dauerhaft offene Öffnung zur Rauchableitung. Weil warme Luft leichter ist als kalte, entsteht im hohen, senkrechten Schacht ein Auftrieb – der Schornsteineffekt. Warme Raumluft strömt nach oben und entweicht, kalte Luft strömt unten nach. Ausführlich beschrieben ist das im Beitrag zur Permanentöffnung im Aufzugsschacht.
Wie stark dieser Effekt ausfällt, hängt an vier Größen:
- Shaft Height – je höher der Schacht, desto größer die Auftriebswirkung. Der stärkste Hebel.
- Freier Querschnitt der Öffnung – vorgeschrieben sind mindestens 2,5 % der Fahrschachtgrundfläche, mindestens jedoch 0,10 m².
- Temperaturdifferenz zwischen Gebäudeinnerem und Außenluft – je kälter draußen, desto stärker der Sog.
- Gebäudesituation – Anzahl der Haltestellen, Dichtheit der Schachttüren, Anzahl der Aufzugsanlagen.
Aus diesen Größen ergibt sich ein Luftvolumenstrom, der den Schacht dauerhaft verlässt. Und jeder Kubikmeter warme Luft, der nach draußen geht, muss von der Heizung ersetzt werden.
Eine reale Messung: die Zahlen im Detail
Statt zu schätzen, hilft ein Blick auf eine tatsächlich durchgeführte Messung. An einem Klinikum in Hamburg wurde der Verlust an einem einzelnen Aufzugsschacht messtechnisch erfasst:
| Parameter | Messwert |
|---|---|
| Shaft Height | 25 m |
| Anlage | Einzelanlage, Bettenaufzug |
| Haltestellen | 8 |
| Volumenstrom (Ø) | 2.968 m³/h |
| Verlustleistung (Ø) | 9,77 kW |
| Innentemperatur (Ø) | 21,82 °C |
| Außentemperatur (Ø) | 12,04 °C |
| Messzeitraum | 24.–25.03.2022 |
Bemerkenswert ist der Kontext dieser Werte: Die Messung fand bei einer mittleren Außentemperatur von rund 12 °C statt – also bei einer Temperaturdifferenz von etwa 10 Kelvin. In der kalten Jahreszeit, wenn die Differenz deutlich größer ist, fällt der Sog und damit der Verlust entsprechend höher aus. Die gemessenen 9,77 kW sind also kein Extremwert, sondern ein Wert aus milden Bedingungen.
Von der Verlustleistung zur Jahreszahl
Aus der gemessenen Verlustleistung lässt sich die Jahresenergie unmittelbar ableiten. Eine dauerhaft offene Öffnung kennt keine Betriebspause – der Effekt läuft rund um die Uhr:
9,77 kW × 8.760 Stunden ≈ 85.600 kWh pro Jahr
Damit ergibt sich für diesen einen Schacht eine Jahresverlustenergie von über 85.000 kWh und ein CO₂-Ausstoß von mehr als 17 Tonnen. Stellt man beide Werte gegenüber, entspricht das rechnerisch rund 0,2 kg CO₂ je Kilowattstunde – ein für Erdgas typischer Größenwert. Die Zahlen sind also in sich schlüssig und keine gegriffene Marketingangabe.
Zur Einordnung: 85.000 kWh Heizenergie entsprechen ungefähr dem Jahresbedarf mehrerer Einfamilienhäuser – verursacht durch eine Öffnung, die in der Energiebilanz des Gebäudes üblicherweise gar nicht auftaucht.
Was das für andere Gebäude bedeutet
Die Hamburger Werte gelten für einen konkreten Schacht und lassen sich nicht eins zu eins übertragen. Sie zeigen aber die Größenordnung – und die Richtung: Da die Schachthöhe der stärkste Treiber ist, steigt der Verlust in Hochhäusern deutlich an, während er bei niedrigen Schächten geringer ausfällt, aber eben dauerhaft anfällt.
Über die Praxis hinweg liegen die möglichen Einsparungen bei 3 bis 30 t CO₂ und 900 bis 9.000 EUR Betriebskosten pro Aufzugsschacht und Jahr. In einem dokumentierten Beispielfall mit 120 m Schachthöhe, 30 Haltestellen und drei Aufzugsanlagen waren bis zu 111 t CO₂ und bis zu 49.000 EUR Heizkosten-Einsparung möglich. Konkrete Referenzobjekte bestätigen die Spanne: Im Gesundheitszentrum Medicum am KBO waren 72.539 kWh und 14,58 t CO₂ pro Jahr möglich, im Laborgebäude der Merck KGaA 50.000 bis 80.000 kWh, im St. Franziskus Hospital Münster 30.000 bis 80.000 kWh.
Wie Sie den Verlust in Ihrem Gebäude ermitteln
Für eine belastbare Aussage braucht es die Daten Ihres Objekts: Schachthöhe, Grundfläche und Querschnitt der Öffnung, Anzahl der Haltestellen und Aufzugsanlagen sowie die typische Innentemperatur. Auf dieser Basis lässt sich der zu erwartende Volumenstrom und daraus die Verlustleistung abschätzen – und daraus wiederum Jahresenergie, CO₂ und Kosten.
Genau diesen Weg deckt der Calculate your savings ab. Alternativ nehmen wir Ihren Schacht im Rahmen einer Bestandsanalyse auf und rechnen ihn konkret durch.
Ist der Verlust beziffert, ist der zweite Schritt naheliegend: Er lässt sich beenden, ohne den Brandschutz anzutasten. Ein motorisch betätigtes NRWG hält die Öffnung im Normalbetrieb geschlossen und gibt sie im Brand- oder Lüftungsfall frei. Welche Möglichkeiten es dafür gibt und wie das System arbeitet, fasst der Beitrag Energie sparen im Aufzugsschacht zusammen. Je nach Variante sind mit enev-kit bis zu 35.000 kWh und 8 t CO₂ (e1, bis 24 m) bzw. bis zu 150.000 kWh und 38 t CO₂ (e5, bis 110 m) pro Jahr möglich.
Häufige Fragen zum Wärmeverlust im Aufzugsschacht
Wie viel Heizenergie verliert ein Aufzugsschacht pro Jahr?
Das hängt vor allem von der Schachthöhe, dem Öffnungsquerschnitt und der Temperaturdifferenz ab. Eine Messung an einem Hamburger Klinikum ergab an einem 25-m-Schacht eine Verlustleistung von 9,77 kW, hochgerechnet über 85.000 kWh und mehr als 17 t CO₂ pro Jahr. Typische Einsparpotenziale liegen bei 3 bis 30 t CO₂ und 900 bis 9.000 EUR pro Schacht und Jahr.
Wie wird aus der Verlustleistung eine Jahreszahl?
Da die Öffnung dauerhaft offen ist, läuft der Verlust rund um die Uhr. Die gemessene Verlustleistung wird deshalb mit den Jahresstunden multipliziert: 9,77 kW × 8.760 h ergibt rund 85.600 kWh pro Jahr.
Welcher Faktor beeinflusst den Verlust am stärksten?
Die Schachthöhe. Sie bestimmt die Stärke des thermischen Auftriebs und damit den Volumenstrom. Deshalb fällt der Verlust in Hochhäusern erheblich höher aus als in niedrigen Gebäuden.
Ist der Verlust im Winter höher?
Ja. Der Auftrieb wächst mit der Temperaturdifferenz zwischen innen und außen. Die Hamburger Messung erfolgte bei rund 12 °C Außentemperatur – in der kalten Jahreszeit liegt der Verlust entsprechend höher.
Wie kann ich den Verlust in meinem Gebäude beziffern?
Über die Objektdaten: Schachthöhe, Grundfläche und Öffnungsquerschnitt, Haltestellen, Anzahl der Anlagen und Innentemperatur. Mit dem Amortisationsrechner oder einer Bestandsanalyse lässt sich daraus die zu erwartende Einsparung an Energie, CO₂ und Kosten ermitteln.